WEITERE FRAGEN

Wie erkennt man Negativität und Positivität?

Der Maßstab, um eine positive und eine negative Sichtweise zu erkennen, ist folgender: Eine Sichtweise, die andere unglücklich macht, die einen selbst unglücklich macht, eine Sichtweise, durch die wir auf andere neidisch werden, andere verurteilen oder Rachegefühle entwickeln, ist eine negative Sichtweise. Eine Sichtweise hingegen, die genau das Gegenteil bewirkt, das heißt, eine Sichtweise, die einen selbst glücklich macht und auch andere glücklich macht, ist eine positive Sichtweise.

Im weltlichen Leben ist meist nur die negative Sichtweise am Werk, obwohl wir wissen, dass ein negativer Verstand niemals ein positives Leben hervorbringen kann. Die positive Sichtweise wird kaum genutzt. Positivität und Negativität lassen sich anhand bestimmter Merkmale und Ergebnisse erkennen, die wie folgt lauten:

Positivität findet auch in widrigen Umständen das Gute

Positiv zu sein bedeutet, dass man eher das Gute sieht, das ist eine Sichtweise, die auch in schwierigen Situationen das Gute erkennt. In jeder Angelegenheit, an jedem Ort kann man ausschließlich das Positive sehen. Das nennt man Samyak Darshan oder Samyak Drashti (richtige Sichtweise, richtige Perspektive).

Menschen mit einer positiven Lebenseinstellung können in ihren weltlichen Interaktionen stets das Gute sehen, nicht nur in kleinen Dingen, sondern selbst bei großen Ereignissen. Wo eine positive Sichtweise vorhanden ist, gibt es keine Konflikte, kein inneres Brennen, keine Eifersucht, keine Auseinandersetzungen oder Streitigkeiten. Ein Mensch mit einer positiven Sichtweise ist selber glücklich. Und diese positiven Schwingungen übertragen sich auch auf die Menschen in seiner Umgebung, sodass auch sie glücklich sind.

Falls einem Menschen mit einer positiven Sichtweise ein Misserfolg widerfährt, gehört er nicht zu denen, die enttäuscht aufgeben und sich hinsetzen. Stattdessen versucht er es weiter und bewahrt sich eine positive Haltung: „Es wird klappen. Lass es mich noch einmal versuchen!“

Das Herz eines Menschen mit positiver Sichtweise ist voller Gefühl und Menschlichkeit. Wenn ihn jemand beleidigt, denkt er: „Wenn mich jemand derart beleidigt, fühle ich mich verletzt; deshalb sollte ich niemanden auf solche Weise beleidigen.“ Mit dieser positiven Schlussfolgerung geht er seinen Weg weiter. Wo eine positive Sichtweise herrscht, gibt es innerlich keine Rachsucht, keinen Groll, keine mentalen Notizen oder Beschwerden. Das ist ein wichtiger Schlüssel, um Positivität von Negativität zu unterscheiden.

Sobald die Sichtweise vollständig positiv wird, kann die andere Person noch so viel Negatives tun, dann wird nichts Negatives mehr im Innern entstehen. Die positive Sichtweise im Leben beginnt mit weltlichen Interaktionen, und indem wir die Stufen der Spiritualität hinaufsteigen, führt sie uns direkt zur Seele.

Ein Beispiel für Positivität

Param Pujya Dada Bhagwan erklärt: „Was zeichnet positive Menschen aus? Wenn wir ein Räucherstäbchen anzünden, verbreitet sich sein Duft im ganzen Raum. Das Räucherstäbchen selbst verbrennt, und dabei schenkt es anderen seinen angenehmen Duft. Genauso erreicht auch der 'Duft' der Positivität (die positive Ausstrahlung) positiver Menschen definitiv die Menschen in ihrer Nähe und in ihrer Umgebung.“

Heilige und Gnanis sind selbst positiv. Es gibt eine schöne Begebenheit aus dem Leben des Heiligen Tukaram. Eines Tages stieg er, nachdem er im Fluss gebadet hatte, die Stufen zum Tempel hinauf, um sich vor den Füßen Gottes zu verneigen. Genau in diesem Moment spuckte ein Mann auf den Weg! Sein Körper wurde durch den 

Speichel verunreinigt. So konnte man nicht in den Tempel gehen. Daher ging der Heilige Tukaram erneut zum Fluss, um sich zu waschen. Nachdem er gebadet hatte und heraus kam, bespuckte derselbe Mann ihn wieder. Also ging der Heilige erneut baden. So geschah es einundzwanzig Mal: Einundzwanzig Mal nahm er ein Bad, und einundzwanzig Mal bespuckte dieser Mann den Heiligen Tukaram! Doch jedes Mal ging er ganz selbstverständlich, ohne dem Mann böse Absichten zu unterstellen, wieder zum Fluss, um zu baden. Er empfand keinerlei Leiden.

Als der Heilige zum einundzwanzigsten Mal vom Fluss zurückkam, überkam den spuckenden Mann eine überwältigende Reue. Er fiel Tukaram zu Füßen und bat ihn um Verzeihung. Er erkannte, wie viel innere Kraft dieser Heilige besaß! Durch diese positive Haltung Tukarams wurde dem Mann seine eigene Schwäche bewusst.

Param Pujya Dada Bhagwan gibt ein Beispiel aus seinem eigenen Leben, in dem seine Mutter Zaverba ihm schon in jungen Jahren während einer schwierigen Situationen die Samen der Positivität eingepflanzt hatte.


Saints and Gnanis themselves are positive. There’s one beautiful life incident in the life of Saint Tukaram. One day, after taking a bath in the river, he was climbing the stairs of the temple to bow in the feet of God. Just then, a man spat on his way! His body became impure due to the spit; this is not how one can go to the temple; so Saint Tukaram once again went to take a bath in the river. He came out after taking bath, and once again, that man spat on him. So then, the Saint again went to take bath. That’s how twenty-one times, he took bath and came out, and twenty-one times, that man spat on Saint Tukaram! But every time, very naturally, without maligning his intentions, he went to take bath. No suffering came to him at all. When the Saint took bath and came out for the twenty-first time, the spitter felt an overwhelming sense of remorse within. He fell in the feet of Saint Tukaram and apologized before him. He felt this Saint has so much of power! With such a positive attitude of Saint Tukaram, the spitter could see his own weakness.

Param Pujya Dada Bhagwan gives an example from His own life, where His mother Zaverba, in His early age itself, had planted in Him the seeds of positivity while in a negative situation.

Ertrage die Schläge, aber schlag nicht zurück

Dadashri: Als ich ein Kind war, habe ich einmal mit einem kleinen Stein nach jemandem geworfen. Er blutete. Also schlich ich mich leise ins Haus, damit die Leute nicht kommen und mich schlagen würden! Zaverba erfuhr davon.

positive

Fragender: Wenn du jemanden geschlagen hattest und dann nach Hause kamst, hat Zaverba dich dann geschlagen?

Dadashri: Sie hat mir das richtige Verstehen gegeben. Sie sagte also zu mir: „Mein Lieber, was hast du getan? Sieh nur, er blutet. Was hast du angerichtet?“ Ich sagte: „Was hätte ich denn sonst tun können, wenn nicht schlagen?“ Da antwortete sie: „Er lebt bei seiner Tante, er hat keine Mutter. Wer wird ihn versorgen und verbinden? Der arme Junge wird bestimmt sehr weinen! Er muss starke Schmerzen haben! Wer wird sich jetzt um ihn kümmern? Ich bin deine Mutter, ich werde mich um dich kümmern. Du komm also nach Hause, wenn du geschlagen wurdest, doch schlag du niemanden mit einem Stein blutig. Wenn du mit einem Stein geschlagen wirst, werde ich dich versorgen. Aber wer wird sich um diesen armen Jungen kümmern?“

Eine solche Mutter bringt einen Mahavir hervor

Fragender: Heutzutage ist alles genau umgekehrt; heute sagen sie eher: „Lass dich auf keinen Fall verprügeln!“

Dadashri: Nicht erst heutzutage, es war von Anfang an umgekehrt. Das liegt nicht am gegenwärtigen Zeitalter, sondern war von Anfang an so. So ist die Welt nun einmal! Deshalb sagen die Leute: „Geh am nächsten Tag mit einem Stock hinaus.“ Alles Anzeichen dafür, andere zu verletzen! Meine Mutter lehrte mich Gutes, sie hat mir alles Richtige beigebracht. Das gefiel mir sehr. Sag mir, würde so eine Mutter nicht einen   Mahavir hervorbringen? Meine Mutter war so! Dieser Vorfall ereignete sich, als ich ein kleines Kind war; später, als ich älter wurde und mein Verstehen zunahm, habe ich das alles verstanden. Im Allgemeinen mag man solche Belehrungen am Anfang nicht, nicht wahr? Mir hat es jedoch gefallen. Ich sagte: „Was auch immer Baa (Mutter) sagt, ist richtig. Der arme Junge hat ja keine Mutter.“ Also habe ich mein Verhalten sofort geändert. Von da an hörte ich auf zu schlagen.

In diesem Zeitalter des Kaliyug sehen wir jedoch mehr Negativität als Positivität. Negativität lässt sich nicht leicht direkt erkennen, aber sie bringt viele schmerzhafte Folgen mit sich. Anhand derer können wir sie erkennen und besser zwischen Positivität und Negativität unterscheiden.

Leiden durch Negativität

Die Natur vieler Menschen ist so, dass sie immer mehr nur noch das Negative sehen können. Bei der kleinsten Unannehmlichkeit oder dem geringsten Schmerz entdeckt man sofort das Negative darin und leidet dann darunter. Leider vergessen wir die Fürsorge unserer Eltern, die seit unserer Kindheit alles getan haben, um uns großzuziehen, und können sogar enorm viel Negatives bei ihnen sehen! Das negative Ego ist so empfindlich geworden, dass es schon beim kleinsten Hinweisen auf unsere Fehler, oder wenn ihm nur ein geringfügiger Schmerz zugefügt wird, sofort die Beziehung abbrechen will. Wenn diese Negativität zunimmt, kommt der Gedanke auf, sich aus den Beziehungen zurückzuziehen, das Zuhause zu verlassen oder schließlich sogar dem weltlichen Leben ein Ende zu setzen.

Wenn man irgendwo keinen Erfolg hat, führt diese negative Sichtweise zu großem Leiden. In Zeiten des Scheiterns versuchen negative Menschen nicht erneut ihr Glück, sondern klagen: „Ich will es tun, aber ich kann es nicht!“ Dadurch wird ihr Scheitern innerlich immer weiter gerechtfertigt.

Konflikte aufgrund von Negativität

Es entstehen mehr negative Meinungen gegenüber uns nahestehenden Menschen, mit denen wir über einen längeren Zeitraum zusammenleben müssen. Vor allem Menschen mit einer eingeschränkten Sichtweise können in solch einer Situation nicht das Gesamtbild erkennen. Daher bilden sie sich basierend auf dem, was sie sehen können, schnell eine Meinung und zeichnen ein negatives Bild. Infolgedessen entsteht allmählich eine Distanz zu den betreffenden Personen. Wenn diese Distanz zunimmt, führt sie zu Auseinandersetzungen, Streitigkeiten und sogar zu offenen Konflikten.

Wenn die Schwiegertochter von der Schwiegermutter verletzt wurde, erinnert sie sich immer wieder daran, was die Schwiegermutter ihr angetan hat, und leidet weiterhin darunter. Nicht nur das, es entsteht auch eine innere mentale Notiz, die sich in ihr Herz einprägt und bis zu ihrem Tod nicht ausradiert wird. Die Person, die den Schmerz verursacht hat, hat das Ganze längst vergessen, doch die Person, die verletzt wurde, erinnert sich weiterhin daran und leidet. Das führt zu einer ständigen inneren Belastung.

Misstrauen aufgrund von Negativität

Menschen mit einer negativen Sichtweise sind sehr skeptisch und misstrauisch. Im Inneren arbeitet der Intellekt auf eine seltsame Weise, die die Person selbst gar nicht bemerkt. Die Menschen, die mit ihr zusammenleben oder zu tun haben, haben oft darunter zu leiden. Denn diese Person zweifelt in jeder Angelegenheit und sieht nie etwas als richtig an. 

Wenn zum Beispiel der Mann mit einer anderen Frau spricht und dabei lacht, wird die Ehefrau misstrauisch und fragt: „Was findest du an ihr?“ Der Ehemann wird ebenfalls misstrauisch, wenn die Frau mit jemand anderem spricht. Das führt zu wiederkehrenden Streitigkeiten und Konflikten zwischen den Eheleuten.

Negativität führt zu Rache

Das ist ein deutliches Unterscheidungsmerkmal zwischen Positivität und Negativität. Wird ein Mensch mit einer negativen Lebenseinstellung von jemandem verletzt, findet er keinen Frieden, bis er sich dafür gerächt hat. „Er hat das zu mir gesagt, das werde ich ihm heimzahlen, indem ich ihm dies, das und jenes sage. Ich werd’s ihm zeigen“, solche Gedanken kreisen in seinem Kopf. Es wird „Wie du mir, so ich dir“ praktiziert, also „Auge um Auge, Zahn um Zahn“.

Wenn man zum Beispiel im Büro von einem Kollegen beleidigt wurde oder neidisch auf ihn ist, richtet sich die Aufmerksamkeit ständig nur auf diesen Kollegen. Wenn der Kollege einen Fehler macht, eilt man sofort zum Chef, um sich zu beschweren. Wenn man im Geschäftsleben beleidigt wird, geht man zur Steuerbehörde und beschwert sich: „In diesem Geschäft gibt es viele Unregelmäßigkeiten.“ Dann gerät die andere Person in Not, und man verspürt dabei eine animalische Befriedigung.

Negativität findet selbst im Guten noch Fehler

Manche Menschen haben eine äußerst negative Denkweise. Selbst wenn jemand etwas Positives für sie tut, sehen sie nur das Negative. Sogar wenn jemand versucht, ihnen Gutes zu tun, sehen sie darin etwas Negatives.

Wenn ihnen beispielsweise jemand in der aufrichtigen Absicht zu helfen 100.000 Rupien anbietet, denkt der negative Verstand eines Menschen möglicherweise genau das Gegenteil: „Er will mich herabsetzen, nur um später schlecht über mich zu reden, dass er mir Geld gegeben hat. Bin ich etwa ein Bettler?“, obwohl der andere in Wirklichkeit keinerlei schlechte Absicht hat.

Negativität führt zu Nörgelei und Tratsch

Hier folgt der einfachste Schlüssel, um zwischen Positivität und Negativität zu unterscheiden. Sich anderen gegenüber überlegen geben sowie anderen gegenüber ständig beweisen zu wollen: „Ich bin besser als die anderen, wie schlecht der andere doch ist“, und insgesamt andere in ein schlechtes Licht zu rücken, das ist der größte Fehler negativ denkender Menschen. Haarspalterei, Lästern und Tratsch gehören allesamt in den Bereich der Negativität. Wenn zwei Menschen sich treffen, unterhalten sie sich oft nur über Negatives, anstatt etwas Positives über eine dritte Person zu sagen. Es hat sich so viel Negativität im Innern angesammelt, dass vorwiegend negativ über andere gesprochen wird. Und man bemerkt nicht einmal, dass man sich in negativen Gesprächen befindet. Durch Tratsch und Klatsch, das ständige Herumschnüffeln im Privatleben anderer Leute, das Verbreiten

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