WEITERE FRAGEN

Welche verschiedenen Arten von Karma gibt es?

Wenn man Menschen nach den Arten von Karma fragt, erhält man mit Sicherheit unterschiedliche Antworten. Einige werden einfach mit „positives Karma“ und „negatives Karma“ antworten, während andere Begriffe aus den heiligen Schriften verwenden werden, wie „positives Karma“, „negatives Karma“, „Mohaniya Karma (illusionäre Anhaftung)“, „Antaray Karma“, „Sanchit Karma“ und „Prarabdha Karma“. Gibt es also tatsächlich so viele Arten von Karma? Ja, die gibt es!

Positives Karma und negatives Karma

Die meisten Menschen neigen dazu, Karma als positiv (Merit oder Punya) oder negativ (Demerit oder Paap) einzustufen. Warum? Das liegt an dem Glück oder Leid, das sie erfahren, wenn sich aufgeladenes Karma entlädt. Die Wirkung von gebundenem Karma kann also entweder leidvoll oder freudvoll sein. Wenn die Dinge gemäß deinen Wünschen verlaufen, liegt das an deinem guten (Merit) Karma, und wenn die Dinge entgegen deiner Wünsche verlaufen, liegt das an deinem negativen (Demerit) Karma.

Gemäß Param Pujya Dada Bhagwan „bindet die Absicht, anderen Glück zu schenken, gutes Karma, während die Absicht, anderen Leid zuzufügen, schlechtes Karma bindet.“

Arten von positivem und negativem Karma

Es gibt zwei Arten von positivem (Merit) Karma und zwei Arten von negativem (Demerit) Karma, die wie folgt aussehen:

  • Paapanubandhi Paap (Neues negatives Karma, das während der Entladung von vergangenem negativem Karma gebunden wird): Hierbei bindet eine Person neues negatives Karma, während sie die Wirkung eines negativen Karmas aus dem vergangenen Leben erfährt. Zum Beispiel, wenn eine Person jemandem Schmerz zufügt und dies genießt.
  • Punyanubandhi Paap (Neues positives Karma, das während der Entladung von vergangenem negativem Karma gebunden wird): In diesem Fall bindet eine Person ein neues positives Karma, während sie die Wirkungen eines negativen Karmas aus dem früheren Leben erfährt. Zum Beispiel leidet eine Person aufgrund eines negativen Karmas aus dem früheren Leben, bindet aber neues positives Karma, weil sie ein moralisches und ethisches Leben führt.
  • Paapanubandhi Punya (Neues negatives Karma, das während der Entladung von vergangenem positivem Karma gebunden wird): Das ist der Fall, wenn eine Person aufgrund eines positiven Karmas aus einem früheren Leben Glück und Freude genießt, dabei jedoch gleichzeitig enormes negatives Karma bindet. Diese Art von Karma ist heute überall weit verbreitet. Ein reicher Mann ist kaum in der Lage den Komfort seiner riesigen Villa zu genießen. Er ist den ganzen Tag damit beschäftigt, Geld zu verdienen, seine Frau geht einkaufen auf der Suche nach schönen Kleidern, und seine Tochter fährt mit ihrem Auto umher. Nur der Diener ist zu Hause anzutreffen und das ganze Anwesen steht ungenutzt leer. Er hat all seinen materiellen Wohlstand aufgrund seines positiven (Merit) Karmas aus einem früheren Leben erworben, doch trotz dieses positiven Karmas bindet er durch sein Verhalten nun negatives Karma. Er wird von immenser Gier und Anhaftung verzehrt und kann seinen Reichtum nicht genießen. Solche Menschen mit Paapanubandhi Punyas sind immer auf der Suche nach sinnlicher Befriedigung.
  • Punyanubandhi Punya (Neues positives Karma, das während der Entladung von vergangenem positiven Karma gebunden wird)Hier bindet eine Person positives Karma, während sie die Wirkungen eines positiven Karmas erfährt. Ein Beispiel: Eine Person führt Rituale durch und arbeitet darauf hin, Selbst-Realisation zu erlangen, während sie die Früchte ihres früheren positiven Karmas genießt. Sie sammelt mehr positives Karma an und erntet die Frucht der Befreiung. Alle rituellen Handlungen und Übungen der Enthaltsamkeit, die mit Sturheit, Unflexibilität und Verbissenheit durchgeführt werden, binden Paapanubandhi Punya (Neues negatives Karma, das während der Entladung von vergangenem positivem Karma gebunden wird), während Enthaltsamkeit und Rituale, die mit dem richtigen Verständnis dessen ausgeführt werden, was für die Seele und die Befreiung von Vorteil ist, Punyanubandhi Punya binden (Neues positives Karma, das während der Entladung von vergangenem positiven Karma gebunden wird). Mit einem solchen Karma wird die Person eines Tages einen Gnani Purush treffen und schließlich Befreiung erlangen.

Sanchita Karma, Prarabdha Karma und Kriyamana Karma

Dies sind die allgemein bekannten drei Arten von Karma. Karma ist stets zeitgebunden, da kein Karma ewig bestehen kann. Jedes Karma endet, sobald es sich manifestiert und seine Wirkung hervorgebracht hat. Dies bedeutet, dass es eine Zeitspanne gibt, vom Moment, in dem Karma gebunden wird, bis zu dem Zeitpunkt, an dem es seine Wirkung zeigt.

Laut Param Pujya Dada Bhagwan: „Die Karmas, die man bindet, wie zum Beispiel zu essen, zu trinken und sich zu vergnügen, werden Sanchita-Karma oder angesammeltes Karma genannt. Solche Karmas werden auf einer subtilen Ebene angesammelt, und wenn sie kurz davor sind, zu reifen und ihre Früchte zu geben, wird eine Person dazu angeregt, ungesunde Nahrung zu essen. Wenn sie mit dem Essen fertig ist, wird dies Prarabdha-Karma (Schicksal) genannt. Dies wiederum führt zu einer endgültigen Wirkung, nämlich daran zu erkranken und Durchfall zu bekommen. Dies wird Kriyamana-Karma oder erschöpfendes Folgekarma (Wirkung der Wirkung) genannt.“

Dravyakarma

Dravyakarma wird als Sanchit-Karma betrachtet und bleibt als karmisches Guthaben (Bilanz) aus dem vergangenen Leben bestehen, aus dem sich die Karmas eines nach dem anderen entfalten. Wenn sie bereit sind, ihre Wirkung zu geben, nennt man es Prarabdha-Karma.

Das Gesamtguthaben (die Bilanz) aller Karmas, die ein Mensch im gesamten Leben bindet, wird in acht Arten von Karma unterteilt; sie werden als Dravyakarma bezeichnet. Als Ergebnis davon erhält man in diesem Leben zwei Dinge: die falsche 'relative' Brille, (die einen nicht sehen lässt, wie es wirklich ist) und den Körper. Aufgrund der falschen (relativen) Brille entsteht die falsche (relative) Absicht. Man sieht entsprechend der Art der „Brille“ (Schleier, Augenbinde) des Dravyakarmas, die man trägt.

Gnanavaraniya (Wissen verschleiernd), Darshanavaraniya (Sicht verschleiernd), Mohaniya (Täuschung) und Antaray (Behinderung); das sind die falschen „Brillen“, die vier Augenbinden. Diese vier werden als destruktive (Ghati) Arten von Karma bezeichnet. Solange diese vier Arten von Karma bestehen, wird das Selbst (die Seele) immer wieder unterdrückt. Das bedeutet, dass sich immer wieder ein Schleier über das Selbst legt.

Vedaniya (Vergnügen und Schmerz), Naam (Name-Form), Gotra (Status) und Ayushya (Lebensspanne
erhält man in Form des Körpers. Diese vier sind die nicht destruktiven (Aghati) Arten von Karma. Aghati bedeutet, dass sie keinen Schleier über das Selbst legen.

All diese acht Arten von Karma sind tatsächlich von Geburt an vorhanden. Was ist dieser Körper? Woraus ist er gemacht? Die Antwort lautet: Er ist tatsächlich ein Paket aus diesen acht Arten von Karma.

Im Folgenden sind die vier zerstörerischen Karmas aufgeführt:

  • Gnanavaraniya (Wissen verschleiernd):‚Du‘ (die Seele) bist mit unendlichem Wissen ausgestattet, aber aufgrund von Schleiern ist das Wissen verhüllt. Es gibt eine Differenz, eine Veränderung, eine Verzerrung im Wissen.
  • Darshanavaraniya (Sicht verschleierndes Karma): ‚Du‘ (die Seele) bist mit unendlichem Sehen ausgestattet, aber aufgrund der Schleier ist dieses 
  • Mohaniya (Täuschungs-Karma): Durch die Schleier über dem Wissen und Sehen ist Mohaniya Karma (Karma, das illusionäre Anhaftung hervorruft) entstanden. Mohaniya bedeutet, zu glauben „Ich bin“, was man (in Wahrheit) nicht ist, und die daraus resultierenden Beziehungen werden fälschlicherweise für die eigenen gehalten! Dieser Ehemann, diese Kinder, sie gehören nicht DIR (dem Selbst), aber sie als DEIN (Eigen) zu betrachten, das ist MohaniyaKarma.
  • Antaray (Behinderungs-Karma): Aufgrund von Mohaniya (Täuschungs-Karma) sind Hindernisse (Antaray) entstanden. Was ist Antaray? Es bedeutet, dass du zwar etwas hast, es aber trotzdem ein Hindernis für dich gibt, es zu nutzen. Ja, obwohl dir all diese Dinge zur Verfügung stehen, kannst du dennoch keinen Nutzen daraus ziehen.

Absolutes Wissen (Keval Gnan) ist erreicht, wenn diese vier Arten von Karma vollständig zerstört sind, obwohl die vier nicht zerstörerischen Arten von Karma noch weiterhin bestehen.

Im Folgenden werden die vier nicht zerstörerischen Karma-Arten aufgeführt:

  • Vedaniya (Vergnügen und Schmerz verursachendes Karma): Empfindungen wie Kälte, Hitze, Hunger, Schmerz, Freude, Leid usw. entstehen aufgrund von VedaniyaKarma. Das Empfinden (Vedana) kann Freude oder Schmerz, Bitterkeit oder Süße sein, all das wiederum entsteht durch das Dravya Karma (das angesammelte Karma).
  • Naam-Roop (Name und Form bestimmendes Karma): „Ich bin '<dein Name>;“ dieser Name beinhaltet das Naam Karma. „Ich bin ein Ingenieur“, „Ich bin weiß“, „Ich bin schwarz“, „Ich bin blind“, „Ich bin dick“, „Ich bin dünn“, „Ich bin dies“ und „Ich bin das“ - all das ist Naam Karma.
  • Gotra (Status bestimmendes Karma): All das, was durch die Geburt, die Familie, die Umgebung, den Rang usw. festgelegt ist, ist Gotra Karma. „Er ist ein guter Mensch, der von allen respektiert wird“; „Er ist ein schlechter Mensch, der von allen verurteilt wird“; das ist Gotra. 
  • Ayushya (Lebensspanne bestimmendes Karma): Wie auch immer man in jungen Jahren war, man bekommt allmählich Falten; man nähert sich dem Ende. Das ist das Ayushya Karma. Es hält einen für eine bestimmte Anzahl von Jahren im Körper gefangen. Es lässt dich nicht frei, selbst wenn du es willst. Es ist eine Art Gefängnis. Man wird erst dann frei vom Körper, wenn das Lebensspanne bestimmende Karma aufgebraucht ist.

Die nicht-zerstörerischen Arten von Karma kommen entsprechend dem positiven und dem negativen Karma zum Tragen. Andere in irgendeiner Weise zu verletzen, führt zu negativem Karma, während anderen Glück zu schenken zu positivem Karma führt.

Wenn all die nicht zerstörerischen Arten von Karma nach dem Erreichen des absoluten Wissens (Keval Gnan) aufgebraucht sind, erfolgt die Befreiung noch im selben Leben.

Welches Dravya Karma auch immer einem begegnet, wenn es mit Gleichmut beglichen wird, wird man frei von diesem Dravya Karma. Wenn die Schleier, die das Wissen und Sehen verdecken, beseitigt sind, dann wird alles in Ordnung kommen.

Durch das Wissen von Akram Vignan werden diese Schleier gelüftet; Sicht verschleierndes Karma (Darshan Avaran) und Täuschungs-(Mohaniya)-Karma enden vollständig!

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