Löse Konflikte: die Kunst, das Leben zu leben - mit Konfliktlösungsstrategien

Im weltlichen Leben sagen wir oft: "Wie man sät, so erntet man!" Wenn man anderen schadet, schadet man letztlich sich selbst. Doch wir verstehen nicht wirklich, wie man verhindern kann, dass dieser Schaden überhaupt entsteht. Wir wissen, dass wir unseren Eltern dienen und anderen Gutes tun sollten und dass dies zu Glück führt – aber uns fehlt die praktische Methode, dies tatsächlich umzusetzen. Infolgedessen ist es, als bekäme man in der Mathematik nur das Ergebnis, ohne gezeigt zu bekommen, wie der Lösungsweg aussieht. Genau in dieser Situation befinden sich die Menschen heute.

Stell dir vor, eine Maschine funktioniert nicht richtig und macht Lärm. Man beginnt vielleicht, auf sie einzuschlagen und sagt: „Sie ist nutzlos. Diese Leute verkaufen billige Maschinen und zocken uns nur ab.“ Dadurch verschärft sich das Problem noch. Stattdessen muss man genau untersuchen: Wo hakt die Maschine? Welches Teil ist defekt? Wenn man das fehlerhafte Teil ersetzt oder den lauten Bereich schmiert, beginnt die Maschine wieder reibungslos zu funktionieren. Das ist eine praktische Fähigkeit.

Eine ganz ähnliche praktische Fähigkeit sollte man auch im Umgang mit anderen Menschen besitzen. Um Probleme in verschiedenen Arten von Beziehungen zu lösen, sind unterschiedliche Fähigkeiten notwendig; nur so kann man Konflikte im Leben vermeiden.

Das Ziel des menschlichen Lebens

Wenn wir uns aufmachen, das Boot des Lebens zu rudern, ohne zu entscheiden, welches Ziel wir erreichen wollen, oder ohne die Richtung zu kennen – wie sollen wir jemals unser Ziel erreichen? Wir rudern vielleicht unaufhörlich weiter, brennen dabei aus, verlieren sogar die Hoffnung und gehen am Ende mitten im Strom unter.

conflict

Wir müssen darüber nachdenken, was der Sinn unseres Lebens sein sollteWir werden geboren, wachsen auf, lernen und bilden uns, nehmen einen Job an oder führen ein Geschäft oder Unternehmen, heiraten, bekommen Kinder, verheiraten sie, werden alt und sterben schließlich. Während wir damit beschäftigt sind, das Leben zu durchlaufen, gehen wir selbst dabei zugrunde. Und zum Zeitpunkt des Sterbens nehmen wir nichts mit. Weder Haus noch Bungalow, weder Auto noch Geld, nicht einmal unsere Familie. Selbst unser Name bleibt hier zurück. Was kommt mit? Unsere eigenen Verstrickungen, unsere eigenen Anhaftungen und Abneigungen.

Als Mensch kann man Karmas binden, die zu einer der vier Lebensformen führen. Aber man kann sich auch von dem Herumwandern in diesen vier Lebensformen befreien und Moksha (Befreiung) erreichen, und auch das ist nur mit einem menschlichen Körper möglich.

Wenn wir für das Glück anderer leben, können wir wieder als Menschen geboren werden oder in den himmlischen Bereich gelangen. Und wenn wir das Gewahrsein unseres eigenen wahren Selbst erlangen, ist Befreiung (Moksha) möglich – so groß ist das Potenzial des menschlichen Lebens. Es ist wie bei einem Motor: Wenn wir einen Motor kaufen und ihn laufen lassen, ihn aber nicht mit einem Riemen oder irgendeiner Maschine verbinden, um Wasser zu fördern oder Getreide zu mahlen, bleibt er nutzlos. Genauso gilt: Wenn wir unser ganzes Leben damit verbringen, umherzulaufen, ohne jemals einen wahren Sinn und Zweck festzulegen, dann geht unser Leben verloren.

Die Ursache von Konflikten

In dieser schwierigen Zeit sind die Menschen so sehr von Leid umgeben, dass sie es kaum noch ertragen können. Infolgedessen entwickeln viele psychische Probleme, fallen in Depressionen oder versinken in Hoffnungslosigkeit. Finanzielle Sorgen, gesundheitliche Probleme, Herausforderungen bei der Erziehung der Kinder, Konflikte zwischen Ehemann und Ehefrau, Streitigkeiten zwischen Schwiegermutter und Schwiegertochter – all das scheint kein Ende zu nehmen.

Die Hauptursache eines solchen konfliktreichen Lebens ist mangelndes Verstehen. Param Pujya Dadashri sagt: „Du selbst bist die Ursache all deines Leidens.“ Die ursprüngliche Hauptursache ist Unwissenheit. Darauf aufbauend entstehen im alltäglichen Umgang Missverständnisse, die zu kleinen oder großen Auseinandersetzungen führen, und am Ende fühlen wir uns elend. So wie eine glühende Kohle nicht anders kann, als andere zu verbrennen, kann auch ein Mensch, der innerlich voller Leid ist, nicht anders, als den Menschen um sich herum Schmerz zuzufügen.

conflict

Aufgrund übermäßiger emotionaler Anhaftung und Besitzergreifung der Eltern gegenüber ihren Kindern sowie der Unfähigkeit, die Bedürfnisse des jeweils anderen zu verstehen, kommt es zwischen beiden immer wieder zu Reibereien. Die engste Beziehung in einem Haushalt ist die zwischen Ehepartnern; trotz ihrer tiefen emotionalen Verbundenheit entstehen gerade zwischen ihnen die meisten Konflikte.

Nicht nur das; Konflikte sind auch in der erweiterten Verwandtschaft an der Tagesordnung, etwa zwischen  Schwiegermutter und Schwiegertochter, zwischen Schwägerinnen, zwischen Brüdern und Schwestern und so weiter. Selbst am Arbeitsplatz gibt es Konflikte – zwischen Vorgesetzten und Untergebenen, zwischen Geschäftspartnern, Kollegen oder Lieferanten.

In der Tat bleiben selbst dann, wenn man das weltliche Leben hinter sich lässt und als Entsagender (Mönch/Nonne) lebt, die Interaktionen bestehen – sei es zwischen Guru und Schüler, unter Gleichgesinnten oder mit dem Oberhaupt der Religionsgemeinschaft. Dies zeigt, dass wir in jedem Bereich des Lebens lernen müssen, Konflikte zu lösen.

Essenz aller Religionen

Die Essenz aller Religionen besteht darin, dass kein Lebewesen auch nur das geringste Leid durch unseren Verstand, unsere Sprache oder unseren Körper erfahren soll. In unserer Familie sollten wir niemandem durch Konflikte Leid zufügen. Am Arbeitsplatz oder im Geschäftsleben sollten wir niemanden durch Unehrlichkeit oder unethisches Verhalten verletzen. Als Vorgesetzte sollten wir diejenigen, die unter uns arbeiten, nicht verletzen, und als Angestellte sollten wir unsere Arbeit aufrichtig erledigen, sodass unsere Vorgesetzten keinen Anlass haben, uns tadeln zu müssen. Als Ehepartner sollten wir einander nicht verletzen. Als Eltern sollten wir unseren Kindern Werte vermitteln, ohne sie zu unterdrücken; als Kinder sollten wir unseren Eltern von ganzem Herzen dienen. Kurz gesagt: Jede Handlung, die anderen Schmerz zufügt, gilt als Adharma (Ungerechtigkeit). Allein Tempel zu besuchen oder Rituale auszuführen ist keine wahre Religion. Ein Leben zu führen, das von Konfliktlösung geprägt ist und niemandem Leid zufügt, das wird wahre Religion genannt.

conflict

Daher sollten wir jeden Morgen von Herzen fünfmal beten: „Möge kein Lebewesen auf dieser Welt auch nur im geringsten Maße durch diesen Geist, diese Sprache oder diesen Körper verletzt werden.“ Und falls jemand durch einen Fehler doch verletzt wird, sollten wir das zutiefst bereuen und diesen Fehler durch das Bitten um Vergebung reinwaschen; das führt uns zu einem wahrhaft friedvollen Leben. 

Auf der Grundlage von Schriften oder spirituellen Unterweisungen gilt: Wenn man zu verstehen beginnt, dass die Person, die mich beschimpft, mich verletzt oder mir körperlichen Schmerz zufügt, lediglich das Ergebnis meines eigenen karmischen Kontos ist, und wenn dieses Verständnis sich fest in der eigenen Weltanschauung verankert, dann kann man diese Karmas mit Gleichmut begleichen. Infolgedessen können sowohl äußere als auch innere Konflikte vermieden werden. 

Am Ende kommt es auf das richtige Verhalten an!

Ideales Verhalten heißt, dass kein Lebewesen durch uns auch nur im geringsten Maße verletzt wird. Ob zu Hause, außerhalb oder unter Nachbarn – wenn niemand durch unser Handeln verletzt wird, wird das ideales Verhalten genannt. Sollte dennoch jemand durch uns verletzt werden, dann sollten wir sofort innerlich um Vergebung bitten und einen festen Entschluss fassen, niemanden mehr zu verletzen.

Ideales Verhalten sollte von Beginn des Lebens an praktiziert werden. Dazu gehört auch, Älteren Respekt und Demut entgegenzubringen. Wenn man zu Hause seine betagten Eltern vernachlässigt, während man außerhalb mit großen religiösen Aktivitäten in Tempeln beschäftigt ist, dann ist das kein ideales Verhalten. Derjenige, der wahrhaft ideal handelt, verbreitet eine Art Duft um sich herum.

Konfliktlösung zwischen Eltern und Kindern

Param Pujya Dadashri sagt: „Die Verantwortung der Eltern ist größer als die eines Staats-Präsidenten.“ Heutzutage müssen wir, um eine Arbeitsstelle zu bekommen, ein Zeugnis vorlegen, das belegt, dass wir einen Abschluss haben. Doch bevor wir heiraten oder ein Kind in diese Welt bringen, wird von uns kein einziges Zertifikat verlangt. Kinder erhalten die Sanskar (Werte und moralischen Prägungen) zu Hause von ihren Eltern.

Daher ist es für Eltern wichtig, ein Verständnis dafür zu haben, wann und wie viel sie mit ihren Kindern sprechen sollten, wann sie sie ermutigen und wann sie sie entmutigen (bremsen) sollten. Ein solches Verständnis können wir von Param Pujya Dada Bhagwan erlangen – ein Verständnis, das uns helfen kann, zu „zertifizierten“ Müttern und Vätern zu werden. 

conflict

Eltern schimpfen oft den ganzen Tag über mit ihren Kindern und benutzen negative Worte in dem Versuch, sie zu korrigieren. Dies hinterlässt jedoch Spuren im Geist der Kinder; sie können dadurch depressiv oder rebellisch werden. Stattdessen sollten Eltern wie Freunde mit ihren Kindern sprechen und sie so behutsam behandeln wie kostbares Glas. 

Eltern schimpfen oft den ganzen Tag über mit ihren Kindern und benutzen negative Worte in dem Versuch, sie zu korrigieren. Dies hinterlässt jedoch Spuren im Geist der Kinder; sie können dadurch depressiv oder rebellisch werden. Stattdessen sollten Eltern wie Freunde mit ihren Kindern sprechen und sie so behutsam behandeln wie kostbares Glas.

So wie ein Gärtner seine Rosen pflegt, indem er sie mit Nährstoffen versorgt, sie schützt und ihre Dornen entfernt, sollten auch Eltern die positiven Verhaltenseigenschaften ihrer Kinder fördern und individuell auf ihre Persönlichkeit eingehen. Wenn ein Kind etwas gut macht, sollten Eltern keine übermäßige Anhaftung entwickeln, und wenn es etwas falsch macht, sollte daraus kein Hass entstehen – so sollte die elterliche Liebe beschaffen sein. Ein Auge sollte Liebe zeigen, das andere Bestimmtheit ausstrahlen. Kinder sollten das Gefühl haben: „Sie schimpfen mit mir wegen des Fehlers, den ich gemacht habe, aber ansonsten lieben sie mich über alles.“ -Übermäßiges Verwöhnen ist nicht gut, aber man sollte auch nicht zu distanziert sein. Es muss ein Gleichgewicht zwischen beidem herrschen. Erhebe niemals die Hand, wenn Kinder einen Fehler machen. Nach einer Tracht Prügel mag ein Kind äußerlich unversehrt wirken, aber innerlich ist es zerbrochen. Ermahne sie nur dann, wenn es unbedingt notwendig ist. Bevor Eltern versuchen, ihre Kinder zu korrigieren, sollten sie zuerst an sich selbst arbeiten. Der Charakter, die Gedanken und die Werte der Eltern sollten so erhaben sein, dass sie die Kinder ganz natürlich beeinflussen. Letztendlich gewinnt man Kinder durch Liebe. Wenn ein Kind auf den falschen Weg gerät, aber bedingungslose Liebe von seinen Eltern erfährt, wird schon eine einzige herzliche Bemerkung wie: „Das passt nicht zu unserer Familie“, dazu führen, dass es sein Verhalten am nächsten Tag ändert.

Für tiefere Einblicke in den Umgang mit Kindern in verschiedenen Situationen lies: Positive Elternschaft (Eltern-Kind-Beziehung).

Konfliktlösung zwischen Mann und Frau

Ein Ehepaar heiratet mit der Absicht, sich gegenseitig ein Leben lang glücklich zu machen. Doch wenn wir genau hinschauen, verletzen sich beide im Eheleben am Ende doch – ob bewusst oder unbewusst. Besonders in diesem Kaliyug ist der negative Einfluss so stark, dass selbst ohne Grund Meinungsverschiedenheiten, Misstrauen, Anschuldigungen, Verrat und Täuschung zwischen den Ehepartnern entstehen, was dazu führt, dass sie einander verletzen. Insbesondere das Beharren auf dem eigenen Standpunkt und der Wunsch, sich selbst im Recht zu beweisen, während man den anderen für im Unrecht erklärt, ist der Beginn von Differenzen, die sich steigern und schließlich zu Entfremdung durch unterschiedliche Gedanken (Munbhed) führen. Wenn sich die Angelegenheit weiter verschlimmert, erreicht sie den Punkt der Trennung.

Eigentlich sollten Mann und Frau als Ergänzung zueinander leben. Anstatt an der eigenen Meinung festzuhalten, sollte man sich an das anpassen, was dem anderen Freude bereitet. Wenn Ehepartner wie Freunde zusammenleben, wird das Eheleben wunderschön. In einer Freundschaft gibt es weder extreme Anhaftung noch Hass, da es keine intensiven Erwartungen, keine Verliebtheit oder Besitzansprüche gibt. Es ist so, wie wenn zwei Freunde zusammenleben, sich gegenseitig helfen und sich harmonisch unterstützen.

Doch weil man nicht in der Lage ist, sich aneinander anzupassen, weil man Besitzansprüche gegenüber dem anderen hegt oder wenn man versucht, den anderen zum Besseren zu verändern, entstehen ständige Reibereien. Der Versuch, den anderen zu korrigieren, löst bei diesem eine Gegenreaktion aus, und genau das verstärkt die Streitigkeiten. 

conflict

Darüber hinaus hat es eine schädliche Wirkung auf die Psyche der Kinder, wenn Ehemann und Ehefrau in deren Gegenwart streiten. Param Pujya Dadashri sagt: „Wo es auch nur den geringsten Konflikt gibt, dort existiert keine Religion.“ Ein Zuhause ohne Konflikte ist so wunderschön wie der Himmel. Doch die Menschen haben den falschen Glauben: „Wo Geschirr ist, da klappert es eben!“ Wir müssen verstehen, dass Menschen keine leblosen Utensilien sind. Wenn einer von beiden verletzt wird, sendet dies Wellen des Schmerzes hin und her.

Ehemann und Ehefrau sollten ihr Leben so gestalten, dass sie einander eine echte Hilfe sind. Wenn einer vor Schwierigkeiten steht, sollte der andere alles tun, um dessen Leid zu lindern. Da die Ehefrau zudem traditionell als vom Ehemann abhängig betrachtet wird, sollte man jemandem, der von einem abhängig ist, niemals Kummer zufügen und erst recht niemals die Hand gegen ihn erheben. Wenn ein Partner die Beziehung auseinanderreißt, sollte der andere versuchen, sie zusammenzuhalten. Beide sollten ihre Fähigkeiten zur Konfliktlösung entwickeln, um die Natur des jeweils anderen zu beobachten, zu verstehen und sich dementsprechend zu verhalten. Die Beziehung sollte so liebevoll und anmutig sein, dass beide fühlen: „Was für ein Glück ich habe, einen solchen Lebenspartner zu haben – wo sonst würde ich jemals jemanden wie ihn oder sie finden?“

Wenn wahre Liebe zwischen Ehemann und Ehefrau herrscht, würde sie unter keinen veränderten Umständen zu- oder abnehmen. Doch heute kann schon eine kurze Trennung von wenigen Monaten dazu führen, dass sich jemand zu einer anderen Person hingezogen fühlt. Wie kann man das Liebe nennen? In der Liebe liegt Hingabe. Wenn der Ehemann weit weg ist, sollte die Ehefrau dennoch ständig an ihn denken; und wenn die Ehefrau weg ist, sollte der Ehemann sich den ganzen Tag an sie erinnern – das ist es, was man wahre eheliche Verbundenheit nennt.

Für ein tieferes Verständnis darüber, wie man ein glückliches Eheleben führt, lies: Lebe ein glückliches Eheleben

Konfliktlösung zwischen Vorgesetzten und Untergebenen

Ob im Beruf oder im Geschäftleben – wenn der Umgang zwischen einem Vorgesetzten und einem Untergebenen frei von Konflikten ist, dann wird jeder im Umfeld Freude an der Arbeit finden. Wenn wir uns als Vorgesetzter frei von Arroganz verhalten und uns in jeder Hinsicht gut um diejenigen kümmern, die unter uns arbeiten, und wenn wir als Untergebener bescheiden bleiben und unsere Arbeit mit voller Hingabe und Präzision erledigen, dann strahlen unsere Interaktionen Harmonie aus. Um dies zu erreichen, müssen wir Fähigkeiten zur Konfliktlösung entwickeln.

conflict

Oftmals neigen Vorgesetzte am Arbeitsplatz dazu, ihre Untergebenen zu dominieren, während sie mit ihren eigenen Chefs schmeichelhaft sprechen. Angestellte beklagen sich häufig darüber, dass ihre Vorgesetzten sie mit Arbeit überlasten, sie nicht angemessen bezahlen und sich obendrein herrisch und schroff verhalten. Die Welt im Allgemeinen neigt dazu, Untergebene zu missachten oder geringzuschätzen. Param Pujya Dadashri sagt, dass wir jeden schützen und fürsorglich behandeln müssen, der unter uns arbeitet – seien es Hausangestellte oder Büroangestellte.

Angenommen, ein Bediensteter trägt ein Tablett mit Teetassen und lässt es versehentlich fallen. Dann schreit der Arbeitgeber wütend: „Sind dir die Hände gebrochen? Kannst du nicht aufpassen?“ Der Bedienstete hatte nicht die Absicht, die Tassen zu zerbrechen, dennoch wird er öffentlich beleidigt und vielleicht sogar wegen eines kleinen Fehlers entlassen. Dies verletzt sein Ego. Er denkt: „Nur weil ich arm bin, schreit der Chef mich so an.“ Und er hegt daraufhin Feindsekigkeit in seinem Inneren, der sicher entweder in diesem oder in einem anderen Leben beglichen werden wird. Anstatt wütend zu werden, sollte der Chef mit Mitgefühl reagieren, indem er fragt: „Du hast dich doch nicht verbrannt, oder?“ und dann sanft sagt: „Bitte beeile dich das nächste Mal nicht so.“ Dadurch werden die Gefühle des Mitarbeiters nicht verletzt und er wird keinen Groll hegen.

Wir sollten verstehen, dass wir nur deshalb ein Chef (Vorgesetzter) sind, weil wir Menschen haben, die unter uns arbeiten. Wenn sie alle gehen, wer wäre dann noch der Chef und wer der Untergebene? Dank ihnen läuft das Geschäft. Daher sollten wir sie nicht wie Diener behandeln, sondern uns um sie kümmern wie um Mitglieder unserer eigenen Familie. Wenn wir uns so respektvoll verhalten, werden auch die Mitarbeiter ihrem Arbeitgeber mit familiärer Achtung begegnen. Wenn wir jedoch wie Diktatoren agieren und drohen, jemanden wegen jedes kleinen Fehlers zu feuern, werden sie im Gegenzug den Respekt vor uns verlieren.

Als Chefs oder Teamleiter erleben wir oft, wie Teammitglieder hart arbeiten, um Projekte abzuschließen. Wenn eine Aufgabe gut erledigt wurde, sollte das Lob mit dem gesamten Team geteilt werden; schlägt eine Aufgabe jedoch fehl, sollte die Führungskraft die volle Verantwortung übernehmen, anstatt die Schuld den Untergebenen zuzuschieben. Leider nehmen Vorgesetzte in vielen Fällen das Lob für sich in Anspruch, wenn es gut läuft, und geben die Schuld weiter, wenn etwas schiefgeht, was die Motivation des Teams zerstört.

In Abteilungen oder Teams sollte jedem Teammitglied die gleiche Chance gegeben werden. Wir dürfen unsere Meinung äußern, sollten sie aber anderen nicht aufzwingen. Stattdessen sollten wir jeden zu Wort kommen lassen und uns auch deren Sichtweisen anhören. Oft ist unsere geistige Verarbeitungsgeschwindigkeit schneller als die anderer. Wir erfassen eine Situation vielleicht schnell und treffen rasch eine Entscheidung, während jemand anderes länger braucht. In solchen Momenten neigen wir dazu, ungeduldig und gereizt zu werden. Dann sollte sich die verständnisvollere Person auf die Ebene der weniger verständnisvollen Person begeben und entsprechend sprechen, indem sie öfter nachfragt: „Verstehst du das?“ Genau wie wir mit einem kleinen Kind sprechen, indem wir uns auf seine Ebene begeben, so müssen wir auch hier Geduld üben. Genauso wie bei einer Maschine mit hoher Drehzahl, die über einen Riemen mit einer Maschine mit niedriger Drehzahl verbunden ist: Stimmen die Geschwindigkeiten nicht überein, reißt der Riemen. Ebenso können menschliche Beziehungen zerbrechen, wenn wir Tempo und Verständnis nicht aufeinander abstimmen. Deshalb müssen wir die Natur des anderen aufmerksam beobachten und uns entsprechend anpassen. Das ist die wahre Technik der Konfliktlösung.

Wenn wir Macht innehaben, dürfen wir sie niemals missbrauchen, um andere zu unterdrücken. Menschen in Machtpositionen verhalten sich manchmal so, dass sie sicherstellen, dass diejenigen, die sich gegen sie auflehnen, nie wieder aufsteigen können. Aber Param Pujya Dadashri sagt: „Wer seine Macht missbraucht, wird sie verlieren. Er wird auch sein Recht verlieren, wieder als Mensch geboren zu werden. Wenn du eine Person nur eine Stunde lang scharf zurechtweist, bindest du damit ein ganzes Leben an Konsequenzen.“ So wie aus einem einzigen Samen, der auf einem Feld gesät wird, tausend Körner wachsen, so kehrt auch der Schmerz, den wir einem Menschen durch den Missbrauch unserer Autorität einmal zufügen, vielfach zu uns zurück. 

×
Share on