WEITERE FRAGEN

Warum kommen uns negative Gedanken in den Sinn? Warum können wir nicht immer positiv bleiben?

Das Leben ist heutzutage so hektisch und schnellebig geworden, dass man überall, wo man hingeht, Menschen sieht, die unter Arbeitsüberlastung, Stress, Sorgen und Ängsten leiden. Die meisten Menschen erleben innere Unruhe. Wenn ein bisschen Ruhe und Gelassenheit einkehrt, kann man wieder klar denken. Doch in diesem Chaos neigt man dazu, sich dem Gegenteil zuzuwenden und negative Gefühle zu entwickeln. Deshalb fällt es einem schwer, positiv zu bleiben und es entstehen negative Gedanken. Es gibt noch mehrere andere Gründe, die einen in Richtung Negativität treiben, nämlich:

Fehlgeleiteter Intellekt

Der Hauptgrund für Negativität oder eine negative Denkweise ist ein fehlgeleiteter Intellekt (Viprit Buddhi), während ein richtiger Intellekt (Samyak Buddhi) zur Positivität führt. In der Bhagavad Gita nennt Lord Krishna den fehlgeleiteten Intellekt einen widersprüchlichen Intellekt (Vyabhichaarini Buddhi) und bezeichnet den richtigen Intellekt als den Intellekt, der positives Karma (Avyabhichaarini Buddhi) bindet. Einen einzigen negativen Aspekt unter hundert positiven zu sehen und darüber traurig zu werden und die Situation zu verurteilen, das ist der fehlgeleitete Intellekt. Ein Mensch mit einem widerspenstigen Verstand schadet sich selbst und allen anderen um sich herum. Der richtige Intellekt hingegen findet einen einzigen positiven Aspekt unter hundert negativen und erfährt so Zufriedenheit, er erkennt auch im Kummer das Glück.

Meistens verleitet uns der fehlgeleitete Intellekt dazu, falsch zu handeln, und verstrickt uns immer tiefer in Fehlverhalten. Der richtige Intellekt hingegen hilft dabei, uns zu erheben und unseren Weg zu korrigieren, wenn wir uns in die falsche Richtung bewegen. Es gibt einen ständigen Kampf zwischen fehlgeleitetem und richtigem Intellekt. In der heutigen Zeit (Kaliyug) überwiegt jedoch meist der falsche Intellekt, weshalb er tendenziell dominiert. Infolgedessen ist es schier unmöglich, jederzeit positiv zu bleiben. Wenn das Herz beteiligt ist, wird man positiv, aber wenn nur der Intellekt eingesetzt wird, überwiegt die Negativität. Denn der Intellekt schaut immer nur darauf: „Was bringt mir das?“, „Was habe ich davon?“ oder „Was macht mich glücklich?“ 

Meinungen

Meistens neigen wir dazu die negativen Seiten der Menschen zu sehen, die uns besonders nahestehen. Wenn man Tag und Nacht so eng zusammenlebt, kommt es immer wieder zu Reibereien, es gelingt nicht immer, sich aneinander anzupassen und es kommt zu gegenseitigen Verletzungen. Dadurch bilden sich negative Meinungen über den anderen, wie: „So ist sie eben” oder „Das macht er immer so” usw. Das ist ein weiterer häufiger Grund für negatives Denken.

Es gibt zwei Arten von Meinungen über andere Menschen: positive und negative. Aber oft hat man eher negative Meinungen über andere als positive, eben weil man ihnen so nahesteht; man neigt dazu, eher negativ als positiv zu sprechen. Je mehr negative Meinungen wir über jemanden haben, desto mehr Hass, Schmerz und Leid entstehen, und diese negativen Schwingungen erreichen den anderen Menschen auch.

Destruktive Kritik üben

Wir sehen die Fehler von anderen aufgrund unserer subjektiven Sichtweise, wie zum Beispiel: „Er macht das immer wieder. Er sollte das nicht tun.“ Dadurch entwickeln wir negative Gefühle gegenüber dieser Person.

Es ist unser falsches Verstehen, das uns die Fehler anderer sehen lässt. Das ist ein subtiler Grund dafür, warum negatives Denken in uns entsteht. Wenn jemand zu uns sagt: „Hör auf zu reden“ und uns mitten im Satz unterbricht, ärgern, wir uns sofort, sehen den Fehler bei dieser Person und geraten möglicherweise in einen Streit. Aber angenommen, die Batterie des Mikrofons ist  während der Aufnahme plötzlich leer und wir  müssen aufhören zu sprechen, was dann? In diesem Fall sehen wir bei niemandem einen Fehler oder negative Aspekte, und wir werden auch nicht wütend. Wenn widrige Umstände eintreten, sei es aufgrund einer Person oder einer Situation, und wir eine positive Sicht bewahren können, dann sehen wir keine Fehler.

 

Falsches Verstehen führt zu Negativität, während richtiges Verstehen zu Positivität führt. Wenn wir also unsere Sichtweise ändern, können wir auch in schwierigen Situationen positiv bleiben.

Innere Feinde wie Wut, Stolz, Täuschung und Gier

Der Hauptgrund dafür, dass wir andere negativ sehen, sind Konflikte. Diese entstehen aufgrund unserer eigenen Wut, unseres Stolzes, unserer Anhaftung und unserer Gier. Wenn uns jemand auch nur ein bisschen beleidigt, indem er uns vor anderen herabsetzt oder ignoriert, lässt uns unser Stolz das Negative im andern sehen. Wenn jemand unser Ego auch nur ein bisschen provoziert, können wir es nicht lassen, das Negative im Gegenüber zu sehen.

Ebenso verhält es sich, wenn unsere Wünsche oder Erwartungen nicht erfüllt werden. Wenn wir etwas wollen und es nicht bekommen, sehen wir das Negative. Schon eine kleine Störung unseres Wohlbefindens bringt uns dazu, das Negative zu sehen.

Unser eigener egoistischer Intellekt, unsere Gier, unsere Erwartungen, unser Hunger nach Stolz, unsere eigene Verblendung führen uns letztendlich ins Negative.

Gesellschaftliche Einflüsse

Die Entwicklung, das Negative zu sehen, beginnt bereits in der Kindheit durch das Beobachten anderer. Wenn beispielsweise ein kleines Kind weinend nach Hause kommt, nachdem es von seinen Freunden geschlagen wurde, könnte seine Mutter sagen: „Was bist du denn für ein Junge? Du kommst nach Hause, nachdem man dich geschlagen hat. Hättest du nicht zurückschlagen können?“ Das in der Kindheit erworbene Wissen beeinflusst das Verhalten des Kindes, wenn es älter wird. Wenn dem Kind jedoch von klein auf eine positive Sichtweise vermittelt wird, entwickelt und bewahrt es im Laufe seines ganzen Lebens positives Verhalten.

Die grundlegende Ursache der Negativität

Die Wurzel einer negativen Sichtweise liegt in einem negativen Ego. Wird das Ego genährt, fühlt man sich gut, wird das Ego jedoch verletzt, fühlt man sich schlecht. Wenn alles entsprechend den eigenen Erwartungen verläuft, prahlt das Ego stolz: „Das habe ich super gemacht!“ Aber wenn die Dinge anders laufen als erwartet, fühlt man sich frustriert und wird negativ. Deshalb entstehen auch negative Gedanken im Innern. 

Das Ego ist ständig bemüht zu beweisen, wieviel besser es ist, wie es den anderen überlegen ist und wie viel schlechter andere sind. Der Intellekt ist andauernd mit Vergleichen beschäftigt, um das zu untermauern. Das Ego fühlt sich nur dann bestätigt, wenn es andere herabsetzt oder schlecht über sie spricht und sich so seine eigene Überlegenheit bestätigt. Insofern entsteht Negativität im Grunde genommen grundlegend aus dem Ego selbst.

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